Viele Unternehmen haben das bereits erkannt und sich deshalb im UnternehmensForum zusammengeschlossen: Die Arbeitgeberinitiative will anhand positiver Beispiele zeigen, dass sich die Beschäftigung von Menschen mit Behinderung lohnt.

Nicht einmal fünf Prozent aller Menschen mit Behinderungen in Deutschland haben ihr Handicap seit ihrer Geburt, die meisten Behinderungen werden im Laufe des Lebens erworben. Wie zum Beispiel bei Peter Wagner, Mitarbeiter im Gepäckdienst des Flughafenbetreibers Fraport: Mit gerade einmal 28 Jahren erlitt er einen Bandscheibenvorfall, zwei Jahre schwerer Krankheitszeit folgten.

Am Ende war klar, dass er seine frühere Arbeit nicht mehr ausüben konnte. Doch dank einer Umschulung zum Elektroniker erhielt er einen neuen Arbeitsplatz bei seinem alten Arbeitgeber. Heute betreut er die Anzeigesysteme des Flughafens. „Diese Arbeit kann ich bis zu meiner Rente ausüben“, ist er sich sicher. Und das lohnt sich nicht nur für ihn – gerade weil er kein Einzelbeispiel ist.

Jährlich gibt es bei dem Unternehmen rund 200 Behinderungsfälle aufgrund von Verschleißerscheinungen. Um die Fachkräfte zu sichern, reagiert der Flughafenbetreiber mit individuellen Maßnahmen zur Weiterbeschäftigung.

Auch der Softwarekonzern SAP setzt bekanntlich auf die Beschäftigung von Menschen mit Handicap: Deutschlandweit arbeiten 20 Angestellte aus dem autistischen Spektrum in ganz unterschiedlichen Abteilungen des Unternehmens. Menschen im Autismusspektrum fällt es oft schwer, äußere Reize zu filtern, dazu kommen Einschränkungen im sozialen Bereich, doch die können durch ein geschultes Unterstützerteam und angepasste Rahmenbedingungen aufgefangen werden.

Ein Konzept, das sich lohnt – denn das Unternehmen profitiert von den besonderen Stärken dieser Mitarbeiter und ihrem ganz anderen Blick auf die Softwareprodukte: Viele Menschen im autistischen Spektrum haben eine besonders hohe Konzentrationsfähigkeit und ein ausgeprägtes logisches Denken. Das Unternehmen will deshalb den Anteil seiner Beschäftigten im Autismusspektrum weltweit erhöhen.

Peter Wagner - Elektroniker bei Fraport

UnternehmensForum: Best Practice überzeugt Arbeitgeber

Das sind nur zwei von vielen Beispielen, die zeigen, dass sich Inklusion für Arbeitgeber lohnt. Trotzdem haben viele Unternehmen noch Berührungsängste, wenn es um Inklusion im eigenen Betrieb geht.

„Gerade kleine und mittelständische Betriebe, aber auch große Unternehmen benötigen praxisnahe Informationen, damit Inklusion bei ihnen gelingt“, weiß Olaf Guttzeit, Head of CoE Life Balance & Disability Management bei Boehringer Ingelheim und Vorstandsvorsitzender des UnternehmensForums. Der Zusammenschluss großer und mittelständischer Firmen engagiert sich seit Jahren für mehr Inklusion in der Wirtschaft.

„Wir haben die Erfahrung gemacht, dass sich Arbeitgeber am besten anhand guter Beispiele überzeugen lassen. Deshalb erarbeiten unsere Mitglieder praxisnahe Strategien, tauschen sich aus und geben ihr Wissen weiter.“

Um noch mehr Arbeitgeber von inklusiver Beschäftigung zu überzeugen, verleiht das UnternehmensForum jährlich den Inklusionspreis „Für mehr Beschäftigung von Menschen mit Behinderung“. 2015 zeichnete der Zusammenschluss gemeinsam mit der Bundesagentur für Arbeit, der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände und der Charta der Vielfalt unter Schirmherrschaft von Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles vier Unternehmen aus, die beispielhafte Inklusionsprojekte durchgeführt haben.

Wie beispielsweise der Malerbetrieb Baumann (Tauberbischofsheim), der mit Unterstützung des Integrationsfachdienstes sechs junge Menschen mit geistigen und Lernbehinderungen beschäftigt. Oder die Hamburger Zahnärztin von Schuler Alarcón, die jungen gehörlosen Menschen erstmals in Deutschland die Ausbildung zu zahnmedizinischen Fachangestellten ermöglicht.

Hier zeigt sich, dass Inklusion nicht von der Unternehmensgröße abhängig ist. „Egal ob Arztpraxis, Malerbetrieb oder Großkonzern – Vielfalt lohnt sich für Arbeitgeber“, bekräftigt Guttzeit. „Ich bin davon überzeugt, dass jedes Unternehmen von inklusiver Beschäftigung profitieren kann. Dafür machen wir uns im UnternehmensForum stark.“

Das UnternehmensForum

22 große und mittelständische Unternehmen machen sich im UnternehmensForum stark für die Inklusion von Menschen mit Behinderung in die Wirtschaft. Zu den Mitgliedern gehören neben Fraport, SAP und Boehringer Ingelheim unter anderem auch die Deutsche Bahn, Opel, Randstad, die Deutsche Bank und die ING-DiBa.

Weitere Informationen unter www.unternehmensforum.org

Der Inklusionspreis

Der Inklusionspreis „Für mehr Beschäftigung von Menschen mit Behinderung“ des UnternehmensForums prämiert Unternehmen, die beispielhafte Projekte durchführen zur Ausbildung und Einstellung von Menschen mit Behinderung, zur Weiterbeschäftigung leistungsgewandelter Mitarbeiter oder zum Erhalt der Beschäftigungsfähigkeit.

Weitere Informationen unter www.inklusionspreis.de