Bitte erzähle uns von dir.

Mein Name ist Salem und ich bin 16 Jahre alt. Ich gehe in die zehnte Klasse und lebe seit Juni 2016 in einem Jugendhaus in Qudsaya-Dorf in Damaskus, vorher habe ich in einem Kinderdorf in Aleppo gelebt. Ich habe einen Bruder und zwei Schwestern, ich bin der Jüngste von uns vieren. Meine Eltern sind tot. Ich vermisse sie sehr, obwohl ich sie eigentlich gar nicht kenne. Sie starben, als ich ein Jahr alt war.

Ich bin nicht glücklich über meine Situation.

Meine Freizeit verbringe ich mit Fußball spielen oder malen. Mein bester Freund heißt Ibrahim. Er lebt zusammen mit mir im Jugendhaus. Ich träume davon, Pilot zu werden. Ich werde alles dafür tun. Leider gibt es keine Flugschule in Syrien, aber ich möchte Aviation in Jordanien studieren. Ich mag es, mir Ziele weit im Voraus zu setzen, um an ihnen zu arbeiten.

Wie nimmst du die Situation vor Ort wahr?

Ich bin nicht glücklich über meine Situation. Alles hat sich in den letzten Jahren verändert. Ich lebe ohne meine Schwestern und meinen Bruder. Ich sehe sie nur noch einmal pro Woche. Ich möchte wieder mit ihnen leben und warte auf den Tag, an dem wir wieder vereint sind.

Ich habe Angst davor, dass ich meine Freiheit verliere.

Um ehrlich zu sein, geht es uns aber auch gut hier, weil wir viele Sachen haben können, die viele Menschen in Syrien aufgrund der Krise hier nicht haben können. Wir müssen uns nicht um Sachen wie Geld, Strom, Heizung oder Wasser kümmern, weil wir Betreuer haben, die für alles eine Lösung finden.

Wovon träumst du, wenn du schläfst?

Ich habe drei sich wiederholende Träume und ich träume immer einen davon pro Nacht. Entweder Fliegen, Fallschirmspringen oder Fußball. Ich mag es richtig gerne, Abenteuer zu erleben oder ein berühmter Fußballspieler zu sein. Letzte Nacht habe ich geträumt, in einem Riesenstadion Fußball zu spielen. Da waren total viele Fans, die mir zugejubelt haben.

Was sind deine größten Ängste?

Dass ich meine Freiheit verliere. Ich möchte niemals für irgendetwas ins Gefängnis kommen, wenn ich erwachsen werde. Ich hatte auch mal Angst, dass ich irgendwann nicht mehr herausragende Leistungen in der Schule zeige. Leider bin ich nicht mehr herausragend. Als mein Bruder und meine Schwestern das Dorf verlassen haben und ich in das Jugendhaus gezogen bin, fingen meine Noten an, sich zu verschlechtern. Ich wusste, dass ich alleine lernen sollte, aber ich habe das Gefühl von Stabilität verloren.

Was macht dich wütend?

Wenn jemand in meinem Namen spricht oder ich mich ungerecht behandelt fühle. Ich kann jedes Problem oder jeden Streit vergessen, aber ich kann das Gefühl von Ungerechtigkeit nicht vergessen.

Wie möchtest du leben?

Ich möchte zurück nach Aleppo und dort mit meinem Bruder und meinen Schwestern leben. Ich möchte ein Mann werden, der arbeiten und Geld verdienen kann. Ich hoffe, dieser Traum wird bald wahr, damit ich ihnen alles besorgen kann, was sie brauchen, und wir für immer zusammenbleiben können.