Für Arbeitswelt und Gesellschaft ist Diversity jedoch unabdingbar. Wenn wir an eine vielfältige Gesellschaft denken, haben wir ganz unterschiedliche Bilder im Kopf, seien es junge Frauen mit Kopftuch, Senioren beim Boule-Spiel im Park, ein Mensch im Rollstuhl oder ein lesbisches Pärchen. Egal woran Sie zuerst gedacht haben, eines haben die Bilder in der Regel gemeinsam: Wir denken zuerst an eine Gruppe, der wir nicht angehören.

Vielfalt sind die anderen, wir selbst sind doch gar nicht so anders. Dabei machen wir alle die gesellschaftliche Vielfalt aus. Jede und jeder von uns hat zum Beispiel ein Geschlecht, eine sexuelle Orientierung und ein Alter. Diese Zugehörigkeit verbindet uns mit manchen und unterscheidet uns von anderen. Wenn wir diesen Gedanken akzeptieren, sollten wir auch gesellschaftliche Vielfalt akzeptieren lernen – Akzeptanz ist die Vorstufe zur Wertschätzung. Und das ist unser Ziel: die Wertschätzung von Vielfalt.

Sie ist eine Bereicherung für Deutschland, ohne sie hätte unser Land nicht die heutige wirtschaftliche Stärke erreichen können, und auch das kulturelle Angebot wäre ohne Einflüsse von außen wesentlich farbloser. Ohnehin ist es naiv zu glauben, dass wir in Zeiten des demografischen Wandels in einer zunehmend globalisierten Welt bestehen könnten, ohne uns für Vielfalt beziehungsweise Diversity zu öffnen.

Hier zählen vor allem wirtschaftliche Argumente, die sich branchenübergreifend auf eine einfache Gleichung herunterbrechen lassen: Jeder Kunde und jede Kundin braucht sein oder ihr passendes Gegenüber. Das ist wichtig bei der Erschließung von Märkten im Ausland und genauso bei der Produktentwicklung für den heimischen Markt. Die Bedürfnisse einer vielfältigen Kundschaft können am besten von einer vielfältigen Belegschaft erkannt werden.

Deutschland braucht Vielfalt

Deutschland ist kein Land mit reichen Bodenschätzen oder besonders günstigen Löhnen. Im Ausland stehen unsere Marken für Qualität und Innovation. Und Innovation entsteht, wenn unterschiedliche Menschen mit diversen Kenntnissen und Hintergründen zusammenkommen und ihr Wissen kombinieren. Das bedeutet Vielfalt in den Teams. Ein Diversity-sensibles und wertschätzendes Management sorgt dafür, dass alle Beschäftigten gut zusammenarbeiten und ihre Talente einbringen können.

Noch immer sind Branchen und ihre Teams zu homogen, das lässt sich unter anderem an den Vorstandsetagen mancher Unternehmen ablesen. Trotz großer Bemühungen, eine gute Vielfalt unter den Nachwuchsfachkräften zu gewährleisten, vollzieht sich der Wandel nur sehr langsam. Ob das jüngst verabschiedete Gesetz für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen daran etwas ändern wird, muss sich erst zeigen.

Zeichen setzen

Lassen Sie uns daher einen weiteren Ansatz verfolgen: Zeigen wir öffentlich Flagge für Vielfalt und setzen wir ein Zeichen, dass wir alle mit ihren spezifischen Talenten wertschätzen. Am 9. Juni 2015 fand der 3. Deutsche Diversity-Tag mit bundesweit über 850 Aktionen statt, die genau dieses Ziel haben. Gemeinsam haben rund 450 Organisationen den öffentlichen Fokus auf das Thema Vielfalt gelegt und deutlich gemacht, dass sie willkommen ist, sowohl in der Gesellschaft als auch in der Arbeitswelt.