Sie kam mit einer Lippen-Kiefer- und Gaumenspalte, früher auch bekannt als Hasenscharte oder Wolfsrachen, zur Welt.

Ein neues Leben Dank der Operation wird Rosa (vier Jahre) heute in ihrer Gesellschaft akzeptiert.
Foto: Deutsche Cleft Kinderhilfe e.V.

In Peru werden jedes Jahr etwa 1.500 Kinder mit einer Lippen-Kiefer-Gaumenspalte geboren, es ist die zweithäufigste angeborene Fehlbildung – auch in Deutschland. Doch während eine helfende Operation hier bereits einige Wochen nach der Geburt durchgeführt wird, bleiben in dem südamerikanischen Andenland  viele Kinder unversorgt. Und die Fehlbildungen sind weit mehr als ein kosmetisches Problem, denn  hinzu kommen auch die funktionalen. So haben diese Kinder oft Probleme bei der Nahrungsaufnahme und Sprachprobleme, Erkrankungen im HNO-Bereich und Zahnfehlstellungen.

2009 kam auch die kleine Rosa mit diesem Defekt auf die Welt. Sie wohnt mit ihren Eltern Victor und Maria sowie fünf Geschwistern in einer kleinen Hütte in Pisco, einer Hafenstadt im Süden Perus. Aufgrund ihrer Fehlbildung wurde Rosa in ihrem Dorf gemieden und geächtet. Passanten starrten sie an und viele negative Kommentare fielen über das Kind mit der unheimlichen Spalte im Gesicht. Auch gleichaltrige Kinder grenzten die Vierjährige beim Spielen aus, so dass sie ihr Zuhause kaum noch verließ und sich weigerte, den Kindergarten zu besuchen. So litt Rosa vier Jahre lang einsam unter der Fehlbildung. Sie konnte nicht richtig trinken, essen oder sprechen. Ein rettender Eingriff – für ihre Familie unbezahlbar.

Chirurgie in Entwicklungsländern 

Das menschliche Gesicht als Spiegel der Persönlichkeit wird überall auf der Welt nach seiner Schönheit bewertet. Während sich  die plastische Chirurgie oft mit der Verjüngung des Gesichts befasst, geht es bei der Lippen-Kiefer-Gaumenspalte um die Wiederherstellung von Funktionalität. Hier ist nicht nur plastische Chirurgie gefragt, sondern vor allem auch zahnmedizinisches und mund-kiefer-gesichtschirurgisches Wissen.

Der Verschluss einer Lippen-Kieferspalte oder eines offenen Gaumens verlangt großes chirurgisches Wissen, das aber in vielen Ländern – so auch in Peru – zu wenig vorhanden ist. Nicht operiert leiden Betroffene nicht nur körperlich, sondern meist ihr Leben lang psychisch unter sozialer Ausgrenzung.

Sie werden angestarrt, wie Aussätzige behandelt, niemand kümmert sich um sie. Die angeborene Fehlbildung wird zum Beispiel als Zeichen eines göttlichen Fluches angesehen. Viele Kinder werden sogar von ihren Eltern verstoßen, müssen in Isolation und Einsamkeit vegetieren oder werden gar getötet. 

Hilfe für Rosa

Im Gegensatz zu vielen anderen Familien hielt Rosas Familie zu ihr. Nach und nach begannen sie mit viel Schmerz und Traurigkeit das Schicksal ihrer Tochter zu akzeptieren. Doch durch die Anfeindungen der anderen Dorfbewohner,  isolierte sich die ganze Familie immer mehr. Nur eine Freundin hielt zu ihnen: Luana.

In ihrer Familie gab es auch einen Fall mit Lippen-Kiefer-Gaumenspalte und sie erzählte der Familie von Operationsmöglichkeiten durch die Organisation Qorito, wo hochqualifizierte einheimische Ärzte Betroffene operieren. Sie halfen auch der kleinen Rosa.

Das Ärzteteam mit dem Spezialisten und Spaltchirurgen Dr. Alberto Bardales an der Spitze operierte sie nach neuesten Methoden, so dass die Lippen-Kiefer-Spalte optimal verschlossen werden konnte. Das Verschließen des Gaumens folgt und sie wird weiter medizinisch betreut.

Auch, wenn es mit der Operation allein nicht getan ist, kann Rosa heute wieder lachen, spielen, dazugehören – einfach ein ganz normales Kind sein!