Als die gebürtige Eutinerin Urlaub in Griechenland macht, kommt es zu einem folgenschweren Unfall. Die Diagnose für Bruhn: Eine inkomplette Querschnittlähmung. Die damals 21-jährige, sportbegeisterte Schwimmerin ist verzweifelt. Doch aus der völligen Verzweiflung entsteht unbändiger Wille. Dreizehn Jahre später gelingt ihr bei den paralympischen Spielen in Athen unter anderem die Goldmedaille über 100m Brust.

Im Vergleich zu anderen Ländern ist Deutschlands Sportförderung mau aufgestellt. Wir brauchen also die Deutsche Sportlotterie dirngend, um hier einzuspringen.

Frau Bruhn, Sie waren Olympiasiegerin, Weltmeisterin und haben mehrfaches Edelmetall eingefahren, davon allein elf paralympische Medaillen. Wie schafft man das?

(lacht) Also ich glaube, indem man sich selber beweisen möchte, dass mehr geht als man selbst annehmen konnte und um irgendwie Normalität zum Leben vorher wiederherzustellen. Da helfen Ehrgeiz und Disziplin ungemein.

Was treibt Sie an und würden Sie sich wieder so quälen?

Mit Leidenschaft, Stolz und Freude etwas zu machen, das treibt wohl jeden an. Es ist etwas sehr Positives, das war in meinem Fußgängerleben so und später auch. Ich brauchte erst mal den Impuls, zu kapieren, dass es eben auch jetzt noch geht. Ein wenig anders, vor allem bei den Wenden und anfangs bin ich nicht vom Startblock, sondern aus dem Wasser gestartet.

Mit jedem Training und harter Arbeiten wurde es immer besser, ich wurde athletischer und da merkte ich, dass es genau das war, was ich brauchte, das war es, „um Kirsten zu sein“. Man hat diesen Ehrgeiz, sich über die Grenzen hinaus zu quälen oder man hat ihn nicht.

Wie konnten Sie Ihr Leistungsschwimmen finanzieren? Wieviel Konzentration darauf war möglich?

38,5 Stunden zu arbeiten und „nebenbei“ 20 bis 30 Stunden zu trainieren, das ging irgendwann einfach nicht mehr. Im April 2004 wurde die Deutsche Stiftung Sporthilfe auf mich aufmerksam. So konnte ich dann ohne finanziellen Verlust etwas weniger arbeiten und intensiver trainieren.

Nach den Paralympics in London 2012 war das dann wieder vorbei, meine Karriere schien beendet. Um für die WM 2013 in Vancouver doch noch ausreichend trainieren zu können, kam mir zum Glück mein Arbeitgeber, das Unfallkrankenhaus Berlin, sehr entgegen.

Die Deutsche Sportlotterie will die monatliche Unterstützung der von ihr geförderten Sportler auf 1000 Euro steigern. Was bedeutet das für die Aktiven?

Das bedeutet auf jeden Fall, dass sie zu Beginn der dritten Woche des Monats nicht knapsen müssen, nicht ständig rote Zahlen sehen, dass sie Trainingslager finanzieren können und damit Impulse kriegen. Ein Trainingslager in der Sonne zum Beispiel, in der Höhe und in anderer Umgebung setzt neue Reize und Impulse, die auch einen Leistungsschub bringen.

Wie wichtig ist sportliche Förderung und wie beurteilen Sie Deutschlands Fördersystem?

Im Vergleich zu anderen Ländern ist Deutschlands Sportförderung mau aufgestellt. Wir brauchen also die Deutsche Sportlotterie dringend, um hier einzuspringen. Die Wertigkeit und Kraft des Sports wird in unserem Land gar nicht mehr gesehen, scheint mir. Zu den Olympischen und Paralympischen Spielen, ja, da schon. Dann wird verglichen, wie viele Medaillen hat Deutschland, und dann kommen die Fragen auf, wieso wir immer schlechter im internationalen Wettkampf abschneiden.

Ja, warum denn nur? Man sollte sich vielleicht auch mal die Mühe machen und die unterschiedlichen Rahmenbedingungen der Athleten aus anderen Nationen betrachten. Die Förderungen sind vielschichtiger, individueller und vor allem in einem längeren Zeitraum angesetzt. Top-Athleten werden nicht innerhalb von zwei Jahren gemacht. Man braucht Nachwuchssichtung und Nachwuchsförderung, und die flächendeckend in allen Sportarten.

Wenn durch die Deutsche Sportlotterie schon mal kleine Schritte gemacht werden und erst einige und dann immer mehr Sportler begleitet und gefördert werden, ist schon einmal ein richtiger und wichtiger Schritt für unsere Athleten getan.