Sie sind auch nicht verwandt, trotzdem sind sie „Blutsbrüder“. Erfahren Sie, wie es dazu kam.

Die letzte Chance auf Leben

Vor mehr als drei Jahren war der 46-jährige Amerikaner an Leukämie erkrankt. Die Transplantation von Stammzellen eines fremden Spenders war seine letzte Chance auf Leben – Pierre Kückelmann sein Retter. Die Geschichte beginnt 2005: Eine Bekannte von Pierre Kückelmann war an Leukämie erkrankt. Er wollte helfen und ließ sich typisieren. Ein Fingerhut voll Blut genügt, um sich in eine Spenderdatei aufnehmen zu lassen.

Die Blutprobe wird auf die Gewebemerkmale, die HLA-Werte, hin untersucht. Die Daten werden gespeichert und anonymisiert an das deutsche Zentralregister der ZKRD für weltweite Suchanfragen weitergegeben. Um als Spender für einen Leukämiepatienten infrage zu kommen, sollten zehn der HLA-Werte zwischen beiden übereinstimmen, wie es bei Pierre Kückelmann und seinem „Blutsbruder“ der Fall war.

Persönlichen Kontakt aufnehmen – wenn gewünscht

Kückelmann erinnert sich genau an den Tag, als er die Nachricht bekam, dass er als Spender gebraucht wird: „Das war mein 27. Geburtstag. Ich habe mich gefreut, dass ich helfen kann.“ Einige Wochen später, kurz vor Weihnachten, war es dann so weit: Der Lkw-Fahrer hat gespendet. Ähnlich wie bei einer Blutplasmaspende wurden Stammzellen aus seinem Blut gefiltert. Was in der Regel drei bis fünf Stunden dauert, ging bei ihm sehr schnell: „Nach zweieinhalb Stunden hatte ich sogar die doppelte Menge Stammzellen.“

Am Tag der Spende erfährt Kückelmann auch zum ersten Mal etwas über den Empfänger: ein Mann, Mitte 40, aus den USA. Mehr Informationen bekommt er aus Datenschutzgründen nicht: „Ich habe viel an ihn gedacht und gehofft, dass er wieder gesund wird. Ich habe ganz oft bei der Stiftung nachgefragt, wie es ihm geht.“ Vier Monate nach der Transplantation konnte er sich bei der Stammzellspenderdatei erkundigen, wie es dem Patienten geht, aber ein direkter Kontakt ist erst nach zwei Jahren möglich – wenn beide das wünschen. 

Lebensretter und Held

Im Frühling 2013 war es dann endlich so weit: Pierre Kückelmann ist einverstanden, dass die Adressen ausgetauscht werden. Kurz danach bekommt er eine Mail aus Kalifornien: „Er schrieb, es gehe ihm wirklich gut. Ich wäre sein Lebensretter und ein Held.“ Der Mann aus dem Ruhrgebiet ist ein bisschen verlegen. Für den heute 30-Jährigen war es selbstverständlich zu helfen: „Es wäre ein Unding, es nicht getan zu haben.“ Per Mail erfahren beide mehr voneinander, lernen sich immer besser kennen und nennen sich heute „Blutsbrüder“.

Pierre Kückelmann weiß, dass er das Richtige getan hat, und würde jederzeit wieder helfen: „Gibt es etwas Schöneres, als einem Menschen eine Zukunft zu geben?“