Als Chefredakteur des Entscheidermagazins forum Nachhaltig Wirtschaften ermutigt Fritz Lietsch Führungskräfte in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft mutige Innovationen voranzutreiben.

Unternehmen für Mensch und Umwelt, so lautet das Thema dieser Sonderbeilage. Da werden viele Unternehmenslenker sofort entgegnen: Wir sind nicht für das undefinierbare Konstrukt „Mensch und Umwelt“ zuständig, sondern zuallererst Anteilseignern und deren Profit verpflichtet! Spätestens bei der Gesellschafter- oder Aktionärsversammlung gilt das Hauptinteresse dem Gewinn des Unternehmens und der auszuschüttenden Dividende.

Nur wer sich um Mensch und Umwelt sorgt, wird langfristig erfolgreich sein

Und doch macht sich eine Veränderung in der Wirtschaft breit. In dem Wort Wirtschaft steckt das Wort „Wir“ und das signalisiert, dass die Wirtschaft auch – und ganz besonders – der Gesellschaft verpflichtet ist und nicht einer reinen Profitmaximierung.

Nicht zuletzt die Skandale um die Deutsche Bank, den ADAC oder deutsche Autobauer, aber auch der Klimawandel und seine Folgen zeigen, dass es für die Wirtschaft und damit für uns alle an der Zeit ist, umzudenken.

„Gut und schön“ werden viele Manager sagen: „Wir stehen täglich unter Kosten- und Erfolgsdruck, da bleibt einfach wenig Zeit für Mensch und Umwelt!“ Genau hier setzt mein Beitrag an und meine These lautet: Nur wer sich um Mensch und Umwelt sorgt, wird langfristig erfolgreich sein.

Die jungen Wilden der Green Economy haben es bewiesen

Bereits vor 30 Jahren haben Querdenker eigene Ansätze einer Green Economy entwickelt und mit viel Idealismus Firmen aufgebaut, deren Zielsetzung Sinnstiftung statt Profitmaximierung war. Diese damals belächelten Pioniere sind heute erfolgreiche Unternehmer in den Bereichen Bio-Lebensmittel, regenerative Energien, modernes und energieeffizientes Bauen, Naturkosmetik und vieles mehr.

Diese Unternehmer folgten nicht den damaligen Verlockungen des Raubtierkapitalismus und der Marktliberalisierung, sondern setzen sich für eine solidarische Wirtschaft und Fairtrade sowie für umweltverträgliche Produkte ein. Sie kassieren heute Auszeichnungen am laufendem Band und nicht, wie Ackermann und Co., Gerichtsverfahren.

Eine aktuelle Studie zeigt den Weg

Im Sustainability Value Score, einer soeben erschienenen Studie mit dem Titel „Was ist Gutes Gewissen wert“, wird die Wirkung von Nachhaltigkeit auf den Umsatz untersucht. Die Studie zeigt anhand einer Untersuchung von über 100 Unternehmen, dass Nachhaltigkeit nicht nur gut für Image und Gewissen, sondern auch ein Umsatztreiber ist.

Unternehmen und Marken, die ein nachhaltiges Image haben, sind messbar erfolgreicher. Unternehmen, und damit auch deren Produktentwicklung und Marketing, kommen deshalb an Nachhaltigkeit nicht mehr vorbei. Denn Nachhaltigkeit schafft eine echte Differenzierung – und damit eben auch mehr Umsatz. Verbraucher wollen Marken mit Sinn und Einkäufer, neudeutsch „procurement officer“, achten auf eine saubere Lieferkette.

Und der Trend beginnt gerade erst. Höchste Zeit also, ihn nicht zu verpassen.

Was ändert sich dadurch?

Wenn Firmen langfristig - also nachhaltig – erfolgreich sein wollen, müssen Sie verantwortungsbewusst handeln sowie ehrlicher und authentischer kommunizieren. Sie müssen transparenter und verantwortungsvoller werden. Das baut Reputation, Glaubwürdigkeit und Kundenbindung auf. Und genau diese Faktoren entscheiden in gesättigten und ausdifferenzierten Märkten, in denen Angebote und Produkte immer ähnlicher und austauschbarer werden, über den letztlich entscheidenden Vorsprung.

Der Marketingleiter einer Snowboard Firma verriet mir einmal: „Die Snowboards aller Marken sind sich qualitativ ähnlich, entsprechend hart ist der Konkurrenzkampf. Durch ein engagiertes und glaubwürdiges Nachhaltigkeitsengagement können wir einige Prozent mehr Käufer für unser Produkt begeistern und sind dem Wettbewerb damit immer eine Nasenspitze voraus - und damit letztendlich ertragreicher.“

Es gibt also keinen Zweifel: die Wirtschaft wird einen nachhaltigen Impuls bekommen, sich zu verändern.