Das gilt für Einzelpersonen, Unternehmen und Organisationen gleichermaßen. Unternehmenspublikationen enthalten oft große Sätze wie „Wir sind uns unserer Verantwortung für Gesellschaft und Umwelt bewusst“. Er wirkt wie eine Phrase, weil er unpräzise ist und die Verantwortungsübernahme nicht konkret benennt.

Mensch, wo bist du mit deiner Verantwortung? Das ist der ursprüngliche Hintergrund der Frage in der Bibel: Zuerst haben Adam und Eva Freiheit erfahren, aber dann verstecken sie sich und fürchten sich davor, für ihr Handeln einzustehen. Gott fragt: „Wo bist du? Wo seid ihr?“ Es gibt keine befriedigende Antwort, denn jeder schiebt die Verantwortung zunächst dem anderen zu.

Der deutsche Begriff „Verantwortung“ stammt aus dem 15. Jahrhundert und wurde im Rechtswesen im Sinne von „beantworten“ verwendet. Verantworten bedeutete vor diesem Hintergrund, „sich vor Gericht verteidigen“. Daran angebunden ist die Frage, wem Antwort gegeben wird.

Gemeinwohl und Gewissen

Soziale Verantwortung beginnt mit Eigenverantwortung, die zu einer nachhaltigen Wirtschaftsweise führt. Die also nicht nur dem Eigennutz und der rücksichtslosen Gewinnmaximierung dient, sondern auch den Sinn der geschäftlichen Tätigkeit für das Gemeinwohl berücksichtigt.

Dabei geht es um eine verantwortbare Balance zwischen Wirklichkeit und Möglichkeit. Ein Verantwortungsethos setzt deshalb voraus, dass sich in einer Handlung die gute Absicht und der weitsichtige Blick für ihre Wirkung vereinen.

„Verantwortung kostet“, gab der deutsche Ökonom und Philosoph Birger Priddat, Lehrstuhlinhaber für Volkswirtschaftslehre und Philosophie an der Universität Witten, im November 2014 bei einer Veranstaltung der Zeitschrift „Hohe Luft“ zu denken: „Ständig müssten wir abwägen, gerade auch im wirtschaftlichen Bereich, welche Konsequenzen unsere Handlungen nach sich ziehen und ob es sich lohnt, für etwas verantwortlich zu zeichnen.“

Gerade weil die Konsequenzen des Handelns niemals mit Sicherheit vorhersagbar sind, plädiert er dafür, nur die Projekte zu übernehmen, die man guten Gewissens vor sich selbst verantworten kann.

Wenn Unternehmer und Manager soziale Verantwortung übernehmen, wirkt sich das in besonderer Weise auch positiv auf die gesamte Gesellschaft aus. Allerdings müssen Worte und Taten übereinstimmen. Erst durch ein Wertebewusstsein ist der Mensch in der Lage, verantwortungsbewusst zu handeln und dies auch glaubwürdig zu kommunizieren.

Dabei geht es nicht um die Inszenierung von sozialem Engagement, sondern um eine glaubwürdige und ehrliche Vermittlung konkreten und verantwortlichen Handelns. Das ist ein anspruchsvolles und nachhaltiges Ziel.

Sich sozial verantwortlich zu fühlen, bedeutet nicht, irgendwelchen großen Ereignissen verpflichtet zu sein, sondern zuerst den Blick für die Sicht des Einzelnen zu schärfen, wie sie auch verantwortungsvollen Machern eigen ist, die ihr Tun als Dienst am Menschen und an der Sache verstehen. Ganz im Sinne von Albert Schweitzer: „Wir müssen aus dem Schlaf erwachen und unsere Verantwortung sehen.“