Erzbischof Philip Naameh
Geistlicher aus Ghana

Erzbischof Philip Naameh aus Ghana:

„In Europa und Amerika haben die Christen einen großen Sinn für die menschlichen Bedürfnisse. Wenn ich beispielsweise eine Toilette oder einen Brunnen bauen will, bekomme ich sehr einfach Geld dafür. Sehr viel schwieriger wird es, wenn ich eine Kirche bauen oder Priester ausbilden will. Man kann in Afrika noch so viele Dinge errichten, aber es braucht nur ein Missverständnis und alles wird wieder kaputt gemacht. Man sollte deswegen erst die alten Wertvorstellungen ersetzen.

Häufig fühlen sich Menschen eines Stammes den Mitgliedern eines anderen Stammes überlegen. Sie sagen dann: „Ihr wart immer unsere Sklaven! Wie könnt ihr denken, dass wir mit euch teilen?“ Dies ist die Ursache vieler Streitereien, beispielsweise, wenn ein Brunnen auf dem Land des geringer geachteten Stammes gebaut worden ist. So entstehen viele ethnische Fehden in Afrika. Geld für Brunnen ist wichtig. Aber man sollte den Menschen zunächst zu einer gemeinsamen Wertvorstellung verhelfen, damit sie die Menschenwürde der anderen respektieren.

„Man sollte den Menschen zunächst zu einer gemeinsamen Wertvorstellung verhelfen.“

Muslimische Länder wie Iran, Libyen oder Saudi-Arabien geben sehr viel mehr Geld aus als die christlichen Länder, vor allem für den Bau von Moscheen, aber auch für die Ausbildung der Jungen. Die Moslems suchen sich gezielt Meinungsführer in Dörfern und geben ihnen viel Geld, damit sie die Menschen zum Islam bekehren.“

 

Pater Dr. Andrzej Halemba
Afrika-Experte und ehemaliger Missionar

Pater Dr. Andrzej Halemba, Afrika-Experte:

„Es ist immer wichtig, dass die Menschen vor Ort selbst etwas zum Aufbau beitragen. Im Kongo kannte ich Missionare, die gesagt haben: ‚Die Menschen hier haben nichts, sie sind zu arm, wir bauen für sie eine Kirche!‘ Als dann der Krieg kam, standen die Dorfbewohner gleichgültig daneben, als das Militär ihre Kirche zerstörte. 

Einige Jahre später wurde mit den Menschen vor Ort, die Kirche wieder aufgebaut. Die Dorfbewohner konnten zwar nicht viel beitragen, aber doch ihre Arbeitskraft und einige Baumaterialien. Und die Frauen kochten für die Arbeiter. Die Kirche stand einige Jahre und erneut kamen Soldaten ins Dorf. Doch diesmal stellten sich alle schützend vor das Bauwerk: ‚Nein! Das ist unsere Kirche! Die haben wir gebaut!‘ Wir haben den Menschen also nicht nur ein Bauwerk geschenkt, sondern ihnen auch ihre menschliche Würde gelassen.“

„Es ist immer wichtig, dass die Menschen vor Ort selbst etwas zum Aufbau beitragen.“