Unternehmerische Verantwortung (CSR) ist in Deutschland mit drei großen Namen verknüpft: Der Händler Jakob Fugger ließ vor 500 Jahren in Augsburg eine Armensiedlung bauen, der sächsische Oberberghauptmann Hans Carl von Carlowitz entwarf vor 300 Jahren die Grundsätze einer nachhaltigen Forstwirtschaft und Robert Bosch führte vor mehr als 100 Jahren als erster Unternehmer den 8-Stunden-Tag ein.

Uneigennützig handelten sie alle nicht. Sie wussten, dass gute Geschäfte nur im Einklang mit Gesellschaft, Umwelt und Arbeitnehmern zu machen sind.

Das, was diese drei vorgemacht haben, wurde seit den 1980er Jahren in volkswirtschaftliche und politische Konzepte gegossen: Das 1987 von einer Kommission der Vereinten Nationen entworfene Leitbild einer nachhaltigen Entwicklung prägte den ersten Weltgipfel in Rio de Janiero. 2001 verpflichtete die Europäische Union die Wirtschaft mit dem Konzept „Corporate Social Responsibility“ dazu, eine nachhaltige Entwicklung zu unterstützen.

2015 setzte sie mit der Berichtspflicht für Unternehmen noch eins drauf: Ab 2017 müssen börsennotierte Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern jährlich berichten, was sie tun, um die Interessen von Arbeitnehmern, Umwelt und Gesellschaft zu berücksichtigen, Menschenrechte zu achten und Korruption zu bekämpfen.

Dass dies so gekommen ist, hat mit den Erfahrungen der Vergangenheit zu tun. In den 1950er konnte die Wirtschaft nach Gusto schalten und walten. Nutzungskonflikte blieben nicht lange aus. Die Forderung nach einem „blauen Himmel über der Ruhr“ prägte schon die 1960er Jahre. In den 1970er Jahren erließ die Bundesrepublik Umweltgesetze, die bis heute als vorbildlich gelten.

Dann schürten das Basler Sandoz-Unglück 1986 und der Atomunfall in Tschernobyl 1987 das wachsende Umweltbewusstsein. 1995 folgte die europäische Verordnung zu freiwilligen Umweltmanagementsystemen (EMAS), die von der deutschen Chemie- und Automobilbranche rasch umgesetzt wurden und in die ersten Umweltberichte mündete.

Die Globalisierung ging gerade richtig los, als amerikanische Studenten den Turnschuhersteller Nike 1998 wegen miserabler Arbeitsbedingungen in der Lieferkette boykottierten. Trotz des Global Compact, mit dem UN-Kommissar Kofi Annan 1999 zehn Prinzipen guten Wirtschaftens weltweit verankern wollte, starben beim Einsturz des Gebäudes Rana Plaza 2013 über 1.000 Menschen. TV-Dokumentationen zeigen indische Kinder beim Steineklopfen und afrikanische Jugendliche in glimmenden Elektroschrotthalden.

Quer durch alle Branchen steht das Thema „Verantwortung in der Lieferkette“ auf der Agenda. Treiber sind Konsumenten und Kunden, vor allem aber der Finanzmarkt, der Unternehmen nach ihrer Zukunftsperspektive bewertet.

Sprich danach, ob sie in der Lage sind, mit Chancen und Risiken angemessen umzugehen. Und da ökologische und sozial-gesellschaftliche Aspekte in vielen Branchen für die Zukunftsfähigkeit immer wichtiger werden, soll die europäische Berichtspflicht nun bessere Transparenz für alle Stakeholder schaffen.