Als Ort der Begegnung bieten sie auch reichlich Raum für alternative Angebote und ehrenamtliches Engagement. Alle Jahre wieder – zieht die einzigartige Atmosphäre der Weihnachtsmärkte Millionen von Deutschen in ihren Bann. Allein zum legendären Nürnberger Christkindlesmarkt pilgern rund zwei Millionen Menschen jährlich. Innenstädte konkurrieren längst mit zusätzlichen  touristischen Attraktionen auf den Märkten um diese kaufkräftige Masse.

Kunst der Handwerker

Mehr um den kaufmännischen Gewinn und weniger um den christlichen Sinn ging es wohl auch schon zur Zeit der Gründung der Märkte, die bereits im 14. Jahrhundert liegen. Handwerker boten hier zum Start der Adventszeit Waren an, aber auch Zuckerbäcker, Korbflechter oder Bauern. Im Zentrum standen notwendige Utensilien für den Alltag.

Turbulentes Event

Erst in den 60er und 70er Jahre bekamen die Märkte immer mehr den Event-Charakter, der sie auch heute prägt. Gedacht wird auf ihnen dann jedoch nicht etwa besinnlich der Geburt Christi oder gar des Gebots des Fastens. Ganz im Gegenteil: Gesucht wird das laute und bunte Gruppenerlebnis, bei dem Weihnachten zu X-Mas mutiert oder sich Kollegen zum lauschigen Afterwork-Umtrunk treffen.

Alternative Angebote

Einen Kontrapunkt in dieser Lifestyle-Hektik bieten immer mehr alternative Angebote: Beim Adventsökomarkt in Berlin sind zum Beispiel alle angebotenen Textilien, Speisen und Handwerk nur unter sozialen und ökologischen Standards produziert. Am Steintorplatz in Hannover findet ein veganer Weihnachtsmarkt statt, der unter dem Zeichen von tierfreundlichem Leben steht.

Karikatives Engagement

Aber auch gemeinnützige und karikative Organisationen sind vertreten und belegen, dass die Märkte auch einen fördernden Charakter haben können, der Menschen zusammenbringt. So sammelt der Ost-West-Arbeitskreis mit zahlreichen Ehrenamtlichen an seinem Adveniat-Glühweinstand auf dem Bochumer Weihnachtsmarkt seit vielen Jahren finanzielle Unterstützung für die zahlreichen Projekte der katholischen Kirche. Das Geld kommt Armen in Lateinamerika und der Karibik zugute und ist Hilfe zur Selbsthilfe vor Ort.

Spenden für die gute Sache

Das Engagement der Bochumer lässt sich auch in Zahlen messen. Und die zeigen ganz gut, wieviel Arbeit in einem einzelnen Weihnachtsstand stecken kann: 44.000 Euro erwirtschafteten die Ehrenamtlichen im vergangenen Jahr. Vorher haben sie jedoch 4.000 Liter Glühwein ausgeschenkt. 20 Kilo Schmalz auf unzählige Stullen geschmiert. 435 Tüten selbstgebackenes Spritzgebäck verkauft. In drei Schichten täglich und 34 Tage lang waren dafür 60 Frauen und Männer auf dem Adveniat-Stand aktiv.

Begegnungsstätte für Menschen

Neben den finanziellen Einkünften für Spenden sollen sich Menschen am stadtbekannten Stand aber auch treffen, ins Gespräch kommen und von Sorgen und Ärger berichten. Sogar Bischöfe aus Lateinamerika haben dort bereits einen prominenten Besuch abgestattet. Für die Kirche ist der Weihnachtsmarkt daher eine weitere Gelegenheit, zugewandt und offen zu sein. Zu diskutieren und sich solidarisch zu zeigen – mit denen, die am Rande stehen. In dieser Adventszeit ist vor allem das Engagement für die Flüchtlinge notwendig – weltweit.