Der Wettbewerb um den Deutschen Nachhaltigkeitspreis, der in diesem Jahr zum achten Mal stattfindet und noch bis zum 5. Juni läuft, bildet nicht nur das Spitzenfeld der Unternehmen ab, die Nachhaltigkeit ganz oben auf die Agenda gesetzt haben.

Er zeigt ebenso deutlich das ernsthafte Bemühen eines breiten Mittelfeldes. Dabei wird zuweilen diskutiert, wie sich CSR und Nachhaltigkeit zueinander verhalten. Ein schneller Konsens ist zu erzielen, wenn in CSR zumindest die soziale Säule der Nachhaltigkeit im Kontext unternehmerischen Handelns gesehen wird. Selbstverständlich kommt auch die Berücksichtigung ökologischer Problemstellungen im Reflex der Gemeinschaft zu gute; somit nähern sich die Begriffe CSR und Nachhaltigkeit stark an, wenn es um wirtschaftliches Handeln geht.

Handeln Unternehmen also nachhaltig, um ihre soziale Verantwortung wahr zu nehmen? Oder übernehmen sie soziale Verantwortung, um als nachhaltig wahr genommen zu werden? Aus unserer Sicht ist ein ganzes Bündel von Motiven maßgeblich: Es gibt den ehrbaren Kaufmann, dem das Wohlergehen seiner Mitarbeiter und Kunden, aber auch der Fortbestand einer möglichst unbeeinträchtigten Umwelt, einfach Herzensanliegen im Sinne einer moralischen Kategorie sind.

Ressourceneffizienz ist nachhaltig, aber auch kostensparend. Verbesserte Arbeitsbedingungen sind nachhaltig, binden aber auch begehrte Arbeitnehmer. Fairer Handel ist nachhaltig, erlaubt aber auch ein Preispremium. „Grüne“ Produkte zahlen auf den Wandel zu mehr Nachhaltigkeit ein, aber auch auf die Marke des Herstellers.

Viele Maßnahmen, die sich CSR zuordnen lassen, geschehen nicht freiwillig, denn sie folgen den Gesetzen des Marktes: Angebot und Nachfrage, Druck und Entgegenkommen, Reputationsverlust und Imagegewinn. Doch kommt es auf das Motiv überhaupt an, so lange das Ringen um ökologischen und sozialen Fortschritt erkennbar ist? Nein.

Der Wettbewerb um den Deutschen Nachhaltigkeitspreis bildet die Entwicklung ab: Nachhaltiges Handeln erschöpfte sich vor Jahren vielfach noch in sozialem Engagement außerhalb der Firmentore, und fand dann Eingang in die administrativen Funktionen wie Gebäude, Dienstwagen, aber auch den Umgang mit Mitarbeitern. Nachdem ein vernünftiges „Housekeeping“ unter den Vorreitern zum Standard wurde, beeinflusst Nachhaltigkeit nun auch das Kerngeschäft.

Ökologische und soziale Verbesserung inspiriert die Produktentwicklung, Produktionsverfahren werden umgestaltet, Lieferketten analysiert und verändert. Der nächste Schritt ist die Frage, welchen Beitrag das einzelne Unternehmen zu einer Transformation hin zu nachhaltigerem Leben und Wirtschaften leistet.

Eine sehr spannende Entwicklung ist dabei bei Start-ups zu beobachten, die immer stärker ihren Beitrag zu einem übergreifenden Wandel leisten und nachhaltige Geschäftsmodelle zum Kern ihres Business machen wollen. Für diese „grünen Gründer“ gibt es ab 2015 einen neuen nationalen Wettbewerb, den Next Economy Award (NEA), der die vielversprechendsten Ideen prämiert.