Herr Kons, seit vielen Jahren engagieren Sie sich für Kinder in Not. Wie kam es dazu?

Ein Sender wie RTL muss von seinem Erfolg auch etwas zurückgeben und das wurde vor genau 18 Jahren mit dem Thema „Wir helfen Kindern“ zum ersten Mal umgesetzt. Dass sich der Spendenmarathon so fantastisch entwickelt hat, ist natürlich großartig.

Haben Sie sich auch davor schon engagiert?

Ich hatte schon immer dieses Klassensprechergen in mir, das gebe ich zu. Ich habe mich auch früher schon in vielen kleineren Vereinen engagiert. Mir war immer wichtig, die Welt ein bisschen besser, ein bisschen gerechter zu machen. Das kann jeder. 

Sie sind selbst Vater eines kleinen Sohnes, der hoffentlich wohl auf ist. Wie verändert das Ihre Sichtweise, wenn man weiß, dass es leider nicht allen Kindern auf der Welt so gut geht?

Ich habe auch schon vorher für die RTL-Kinderstiftung immer alles gegeben, was ich konnte – an Kreativität, an Leidenschaft, an Herzblut, an Energie. Doch der Kleine hat mir dann noch einmal „erklärt“, um was es wirklich geht. Jetzt sehe ich alles noch einmal mit ganz anderen Augen, viel intensiver. Und wenn ich aus den Hilfsprojekten nach Hause komme bin ich unendlich dankbar, dass ich einen gesunden und so fantastischen kleinen Jungen habe. Es ist einfach das Größte. 

In all den Jahren Ihres Engagements, welche Szenen haben Sie besonders bewegt?

Sehr, sehr viele. Einmal war ich beispielsweise in Brasilien, in einer Klinik, wo man für ein paar Euro einem Kind das Augenlicht schenken kann. Ein kleiner Schnitt am Auge, der graue Star wird herausgesaugt, eine neue Linse wird eingesetzt, dann wird das zugemacht, ein Pflaster kommt drauf und schon am nächsten Tag wird das Pflaster abgenommen.

Ich war dabei, als so ein Kind das erste Mal in seinem Leben sehen konnte, seine Mutter sehen konnte, seine Welt. Ein Kind, das von einem nichtsehenden Kind zu einem sehenden Kind wurde. Und das bedeutet natürlich auch von einem nicht richtig lernenden zu einem lernenden, vom nicht richtig spielenden zum spielenden, integrierten Kind. Das ist atemberaubend und da bekomme ich heute noch eine Gänsehaut, wenn ich daran denke. 

Was bedeutet Armut für Sie?

Es gibt ja verschiedenste Formen der Armut. Es gibt ja nicht nur die Armut im Sinne von Abwesenheit von Nahrung oder Abwesenheit von Gesundheitsversorgung. Es gibt ja auch Bildungs- und Chancenarmut. Ich erlebe ganz oft Szenen, bei denen ich mich frage: Was ist da schief gelaufen? Übrigens auch hier in Deutschland. Dagegen tun wir etwas mit den RTL-Kinderhäusern, schaffen echte Lebensperspektiven für Kids.

Können Sie das vertiefen?

Gern. Vor kurzem war ich bei einem Projekt in Hamburg und dort ging es um das Thema, wie ernähre ich Kinder. Und man legt Kindern da eine Scheibe Brot, Käse, Wurst, einen Topf Margarine sowie ein Streichmesser hin und die können zwischen diesen Sachen überhaupt keinen Zusammenhang mehr feststellen. Das heißt, diese Kinder wissen gar nicht, was ein Butterbrot morgens ist.

Und das ist auch eine Form von Armut. Ein massiver Mangel an Aufmerksamkeit für Kinder. Nicht nur, dass sie das Brot nicht haben, sondern dass sie gar nicht wissen, was so ein Frühstücksbrot ist. Da müssen wir nicht nur reden, da müssen wir etwas tun. Denn dieser Mangel an Aufmerksamkeit führt zwangsläufig zu neuer Armut.

Inwiefern?

Wenn ich mich schon morgens nicht um ein Kind kümmere, ihm nichts zu essen mit in die Schule gebe, hat das Kind nichts im Magen und zwangsläufig auch nichts im Kopf. Und so geht das weiter. Und dieser Prozess, der dann in Gang gesetzt wird, das ist ein Kreislauf der Armut, den müssen wir durchschlagen. 

Was ist Charity?

Es ist ein Sammelbegriff dafür, dass man Menschen helfen sollte. Nein, helfen muss. Dazu gehören: Mitmenschlichkeit, Verantwortungsbewusstsein, Verlässlichkeit – also ganz normale Tugenden, die wir alle in uns haben sollten. 

Viele Menschen wollen anderen – auch besonders Kindern – helfen, doch viele wissen nicht, was sie tun können, sind unsicher. Was würden Sie diesen Menschen raten?

Hör' in dich hinein. Hör', wofür dein Herz schlägt, wo oder wem du helfen möchtest. Dann guckt man, beispielsweise im Internet, ob eine dazu passende Organisation professionell und transparent und nachhaltig ist. Und man sollte immer darauf achten, ob reportet wird, was aus den Spendengeldern geworden ist. Nur dann behält man ein gutes Gefühl und nur dann macht es Freude, langfristig zu helfen.  

Zum Schluss beenden Sie bitte folgenden Satz: Wer bereit ist, anderen zu helfen, der…

...macht die Welt jeden Tag ein bisschen besser!