Impulsgeber sind zahlreiche Vorträge in der Halle 4.1, der ITB Berlin Kongress und weitere Foren. Zudem engagiert sich die ITB Berlin mit zahlreichen Initiativen ganzjährig für mehr soziale Gerechtigkeit, Umweltschutz und Menschenrechte. Ein Interview mit der CSR-Beauftragten Rika Jean-François, anlässlich des von der UN-Welttourismusorganisation (UNWTO) ausgerufenen „Internationalen Jahres des nachhaltigen Tourismus für Entwicklung“.

Nachhaltigkeit und Corporate Social Responsibility sind ein wesentlicher Bestandteil der ITB Berlin. Wie kam es dazu?

Rika Jean-François: Bereits seit 2004 räumt die ITB Berlin umweltfreundlichem Abenteuerurlaub und Ökotourismus eine große Plattform ein. Seit 2009 ist CSR auch ein wichtiges Thema beim ITB Berlin Kongress. 2005 haben wir begonnen das Thema CSR anzugehen und in unsere Unternehmenspolitik zu verankern. So wurde ich als offizielle Beauftragte für CSR ernannt. Die ITB Berlin versteht sich als Bindeglied zwischen Forschung und Wissenschaft, zwischen Unternehmen, Märkten und Gesellschaften. Sie nutzt diese Schlüsselstellung am Markt, um Unternehmen zu unterstützen, die ökonomisch, sozial und ökologisch verantwortliche touristische Produkte und Dienstleistungen im touristischen Markt positionieren wollen. Die „global gültigen Kriterien für nachhaltigen Tourismus“(GSTC Criteria), entwickelt von der United Nations Foundation, der Rainforest Alliance, der UNEP und der UNWTO sind dabei richtungsweisend.

Mit welchen Schwerpunkten rückte die ITB Berlin 2017 das „Internationale Jahr des nachhaltigen Tourismus für Entwicklung“ verstärkt in den Fokus der Aussteller und Besucher?

Rika Jean-François: Wir haben auch 2017 wieder darauf geachtet, eine große Bandbreite an Vorträgen, Podiumsdiskussionen und Seminaren sowohl beim ITB Berlin Kongress als auch bei den Bühnenprogrammen zum Thema Nachhaltigkeit in Halle 4.1 anzubieten. In Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) widmete die ITB Berlin 2017 außerdem einen ganzen Tag dem von der UNWTO ausgerufenen Jahr zum nachhaltigen Tourismus für Entwicklung. Wegweisende Themen waren Klimaschutz, Sustainable Food & Beverage in der Hotellerie und in touristischen Destinationen sowie Menschenrechte und Kinderschutz. Aber es gab auch inspirierende andere Aktivitäten: Der Studienkreis für Tourismus und Entwicklung, der seit Anbeginn unterstützt wird, hat 2017 erstmals auch die „HR in Tourismus Preisverleihung“ in Zusammenarbeit mit dem Roundtable Human Rights in Tourism und Studiosus Reisen unter der Schirmherrschaft der deutschen UNESCO-Kommission ins Leben gerufen. Außerdem fand das 32. Meeting of the World Tourism Network on Child Protection statt. Die ITB ist aktives Mitglied im The Code + ECPAT und ich setze mich als Mitglied des Board of Directors dafür ein, dass dem Kinderschutz im Tourismus mehr Aufmerksamkeit gewidmet wird.
In Zusammenarbeit mit National Geographic hat die ITB Berlin 2017 die World Legacy Awards vergeben und gemeinsam mit den International Institute for Peace in Tourism (IIPT) India den „Celebrating Her – Global Awards for Empowered Women“, vergeben.

Durch welche Projekte unterstützt die ITB Berlin Aussteller?

Rika Jean-François: Um nachhaltig etwas verändern zu können, bedarf es ganzheitlicher touristischer Konzepte und eines gemeinsamen Engagements. So vermitteln wir fundiertes Wissen zu ökologischer, ökonomischer und sozialer Nachhaltigkeit nicht nur während der ITB Berlin, sondern auch unterjährig, z. B. mit der ITB Academy: Destinationen können mit uns gemeinsam Workshops für ihre Stakeholder gestalten, in denen wir sie für das Thema Nachhaltigkeit und die Umsetzung von Menschenrechten im Tourismus sensibilisieren. Damit Aussteller ihre Präsentation auf der ITB Berlin nachhaltig planen und umsetzen können, haben wir unter dem Stichwort „Nachhaltige Messepräsenz“ Tipps zusammengestellt. Und als wichtiger Multiplikator der Branche werben wir für die Idee der freiwilligen Klimaschutzabgabe. Wir rufen unsere Kunden und Partner auf, nachhaltig und verantwortungsvoll zu reisen. Über unseren Kooperationspartner atmosfair können die CO2-Emissionen der Flüge zur ITB Berlin bei uns auf der Seite „Reise-Service“ bequem kompensiert und die Anreise zur ITB Berlin klimaneutral gestaltet werden. Selbstverständlich kompensiert auch das ITB-Team seine anfallenden Reisen. Vor kurzem wurde die ITB Berlin auch Waldaktien-Inhaberin unterstützt damit das vor zehn Jahren in Mecklenburg-Vorpommern gestartete Nachhaltigkeitsprojekt zur Kompensierung des CO2-Ausstoßes während einer Urlaubsreise. Erstmals seit Bestehen der ITB Berlin wird die Eröffnungsfeier 2018 in Zusammenarbeit mit dem Partnerland Mecklenburg-Vorpommern hundert Prozent CO2-neutral gestaltet.

Für welche Initiativen engagiert sich die ITB Berlin über das Messegeschehen hinaus?

Rika Jean-François: Ganzjähriges Engagement ist für die ITB Berlin schon längst selbstverständlich. Als weltweit erste Messe unterzeichnete die ITB Berlin 2011 den „Child Protection Code“, den Verhaltenskodex zum Schutz der Kinder vor sexueller Ausbeutung im Tourismus. Ebenso unterstützt die ITB Berlin die ECPAT (End Child Prostitution, Pornography and Trafficking of Children), den Global Code of Ethics und sie ist Mitglied im GSTC (Global Sustainable Tourism Council) sowie dem ATCF (Adventure Travel Conservation Fund).

Die ITB Berlin ist außerdem Gründungsmitglied des „Roundtable for Human Rights in Tourism“, der international Aufklärungsarbeit zum Thema Menschenrechte im Tourismus leistet.  Auch Vielfalt ist Thema: Wir setzen uns dafür ein, dass weder Bereiste noch Reisende diskriminiert werden und engagieren uns deshalb bei der IGLTA (The International Gay & Lesbian Travel Association) und er IGLTA Foundation. Die Leitmesse der globalen Reisebranche unterstützt ebenso lokale soziale Initiativen wie die Berliner Aidshilfe, die Berliner Kältehilfe und die Sozialhelden.