In dem berüchtigten Gefängnis drohen den beiden Frauen Folter und sexueller Missbrauch. Barman Ehsani muss mittlerweile ein Jahr alt sein, Suren Ghorbani und Rasam Tibyanian anderthalb. Sie sind wahrscheinlich die jüngsten Insassen des Frauengefängnisses in Semnan, einer iranischen Stadt, 220 Kilometer östlich von Teheran entfernt. Die kleinen Jungs haben nichts getan, doch sie wachsen in Kellerlöchern auf – ohne genug zu essen, unter katastrophalen hygienischen Bedingungen.

Warum? Weil ihre Mütter den Bahá’i angehören, die mit mehr als 300.000 Gläubigen die größte religiöse Minderheit des Iran ist. Das Gericht hat Taraneh Torabi und Zohreh Nik-Aein zu jeweils 20 und 23 Monate Haft verurteilt, weil sie ihren im Land verbotenen Glauben ausgeübt und „verbreitet“ haben – die Gläubigen gelten als „Apostaten“, als „vom Islam Abgefallene“. 

Willkürliche Verhaftungen sind an der Tagesordnung 

Die Bahá’i dürfen keine Universitäten besuchen, ihre Wohnhäuser und Geschäfte werden in Brand gesteckt, ihre Friedhöfe geschändet. Willkürliche Verhaftungen sind an der Tagesordnung. Die Vorwürfe sind stets die gleichen: „Propaganda“ und „Agitation“ gegen die Islamische Republik oder Spionage für Israel. 

Hygiene ein Fremdwort, kleine Jungen krank

Die verurteilten Bahá’i-Mütter müssen ihre Strafe zusammengepfercht mit über 70 anderen Frauen in einem nur 50 Quadratmeter großen Raum absitzen. Die schrecklichen hygienischen Bedingungen im Gefängnis haben Folgen: Die beiden kleinen Jungen sind krank geworden. Sippenhaft ist eine gängige Praxis der iranischen Justiz. Mütter sehen sich oft gezwungen, ihre Kinder mit ins Gefängnis zu nehmen, da sich niemand um sie kümmern kann. Unter den inhaftierten Bahá’i befinden sich häufig Ehepaare oder mehrere Familienmitglieder. 

Verschleppt, gefoltert oder ermordet 

Die Region Semnan ist eine Hochburg der Verfolgung von Bahá’i. Das Schicksal ihrer Gemeinde steht stellvertretend für die desolate Lage so vieler anderer ethnischer Minderheiten und Glaubensgemeinschaften im Land: Christliche Assyrer, Kurden, Turkmenen, Belutschen, Aseri und Araber werden täglich überfallen und willkürlich verhaftet. Das Unrechtsregime hat seine Augen und Ohren überall: Vor allem politisch oder gesellschaftlich Engagierte müssen ständig fürchten, vom Geheimdienst verschleppt, gefoltert oder sogar ermordet zu werden.