Ein Gespräch mit ihr über verzweifelte Menschen, ambivalente Gefühle und einen kleinen Hoffnungsschimmer.

Mittlerweile 80.000 Menschen – und mehr als die Hälfte davon Kinder – leben zurzeit im Flüchtlingscamp in Zaatari. Was haben Sie vor Ort erlebt?

Zuerst einmal war ich überrascht von der enormen Größe des Lagers. Es ist wirklich wie eine Stadt, mit Krankenhaus, Schulen oder einer Einkaufsstraße. Allerdings leben die Menschen dort dicht an dicht in Zelten oder Containern in einer Steinwüste, wo es immer sehr heiß, aber auch sehr kalt sein kann. Es gibt keine Elektrizität, und die hygienische Situation ist desolat.

Wie haben Sie die Menschen erlebt?

Es herrscht eine große Hoffnungslosigkeit, was die Situation in Syrien angeht; das war sehr bedrückend. Die Menschen haben Heimweh und möchten einfach nur nach Hause, wohin sie, auch in absehbarer Zeit, nicht zurückkönnen, weil dort Krieg ist. Sie dürfen in Jordanien nicht arbeiten, und vielen gehen die Ersparnisse aus, wenn sie denn welche hatten.

Da herrscht oft die blanke Verzweiflung, weil sie nicht wissen, wie sie am nächsten Tag das Brot für ihre Kinder bekommen. Die Akademiker unter den Flüchtlingen sprachen oft von den USA, Kanada oder Europa. Es geht vor allem um die Zukunft, also auch die Ausbildung ihrer Kinder. Die habe ich vor Ort zum Teil sehr verängstigt erlebt. Kinder, die so traurig und verängstigt sind – das tut besonders weh zu sehen.

Ich fand es aber auch beeindruckend, dass die Flüchtlinge sich nicht aufgeben und versuchen, das Beste aus ihrer Situation zu machen. Obwohl es nicht wirklich erlaubt ist, eröffnen sie zum Beispiel einen kleinen Laden oder bilden sich weiter. Es gibt im Krieg oder auf der Flucht natürlich auch so etwas wie Alltag.

Wie haben die Flüchtlinge auf Sie reagiert?

Sehr offen und freundlich. Ich wurde immer und überall zum Essen eingeladen oder zumindest zum Tee. Dabei haben die Familien selbst nicht viel. Ich sollte das größte Stück vom Huhn bekommen, und es wurde extra Limonade gekauft. Anfangs war mir das beinahe unangenehm, aber dann habe ich es genossen, diese herzliche Gastfreundschaft.
Jegliche kulturellen oder religiösen Unterschiede traten in den Hintergrund – man ist mir immer sehr respektvoll und freundlich begegnet.

Haben Sie auch über Deutschland geredet?

Ja, viele wollten sich direkt in die Kamera bei allen Deutschen bedanken. Ich hatte in diesem Moment sofort auch die Bilder von brennenden Erstaufnahmeeinrichtungen im Kopf und von den hässlichen Deutschen, die gegen Flüchtlinge demonstrieren. Da habe ich mich richtig geschämt.

Wie erleben Sie die aktuelle Debatte in Deutschland?

Es geht so viel um Meinungen und Befindlichkeiten. Deshalb habe ich mit dem Regisseur Ulrich Bentele auch den Film gemacht – um einen kleinen Beitrag zur Aufklärung zu leisten. Die Flüchtlingsproblematik wird uns noch lange beschäftigen, und zurzeit scheinen wir in der Diskussion an einem Dreh- und Angelpunkt. Wenn ich sehe, wie ein Entwicklungsland wie Jordanien anderthalb Millionen Flüchtlinge aufnimmt, bin ich der Meinung, dass wir das schaffen.

Direkte Hilfe vor Ort leistet auch das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen. Als nun aktive Unterstützerin des UNHCR sind Sie ab sofort eine Kollegin von Angelina Jolie.

Ja, aber einen Vergleich würde ich mir nicht anmaßen. Ihr Engagement ist kein Lippenbekenntnis. Sie kämpft für Flüchtlinge weltweit.

Wie haben Sie die anderen ehrenamtlichen Helfer erlebt?

Der UNHCR ist eine große Organisation, die viel mit rechtlichen und administrativen Aspekten in der Flüchtlingsproblematik zu tun hat. Dabei geht es zum Beispiel darum, Flüchtlinge schnell zu registrieren. So erhalten sie Rechtssicherheit und einen Anspruch auf medizinische Hilfe oder Bildung.

Auf der anderen Seite kümmern sich die Helfer vor Ort wirklich um jeden Einzelnen mit seinem persönlichen Schicksal. Das war für mich ein Hoffnungsschimmer in all dem Elend. Die Unterstützung ist kein Tropfen auf den heißen Stein. Wir können spürbar die Situation der Menschen verbessern.