Der Winter steht vor der Tür, und viele Flüchtlinge wohnen noch immer in Zelten, die nicht alle regendicht sind und teilweise auf dem bloßen Erdboden stehen. Die Zeit drängt für die Familien, die dringend ein sicheres Dach über dem Kopf brauchen.

Seit ihrer Vertreibung aus den alten christlichen Gemeinden in Mossul und der Ninive-Ebene leben die Flüchtlinge in Zeltlagern. Die Familie Matti ist eine von ihnen. Wir trafen sie in Ankawa, in der Kirche St. Elia. Ihr Zelt ist eines von vielen, die sich auf dem Gelände drängen. „Wir wollen einfach nur nach Hause“, sagt Khalid Matti, Vater von acht Kindern – zwei Jungen und sechs Mädchen.

Angesichts der schwindenden Hoffnung auf eine rasche Heimkehr in die christliche Stadt Karakosch, aus der sie am 7. August geflohen waren, hat eine weniger provisorische Unterbringung absolute Priorität.

Umso mehr, weil der Wintereinbruch mit heftigen Regenfällen und stark sinkenden Temperaturen immer näher rückt und die Zeltstadt in einen kalten und schlammigen Sumpf zu verwandeln droht. Khalid zeigt auf seinen kleinen Jungen, den zwölf Monate alten Awas, und fragt sich, ob sein jüngster Sohn Karakosch jemals sehen wird, die Stadt, die seine Familie seit Generationen kennt und liebt.

Werenfried-Dorf – neue Hoffnung und neue Häuser

Wegen der angespannten Lage wurden rasch konkrete Projekte bewilligt. So wird den Flüchtlingen geholfen, über den Winter zu kommen. Sie sollen ein festes Dach über dem Kopf haben. Konkret wurde in Ankawa, einem Stadtteil der kurdischen Hauptstadt Erbil, ein Dorf mit Häusern aus Wohncontainer-Bauteilen errichtet. Diese Siedlung heißt „Werenfried-Dorf“, benannt  nach Peter Warenfried von Straaten, dem Gründer des Hilfswerks, welches das Dorf finanziert.

Dort werden etwa 4.000 Menschen den Winter über ein Obdach finden, die verzweifelt auf ein neues Leben, ohne die, durch die Vertreibung verursachten Entbehrungen hoffen. Jede Familie erhält einen Container für sich. 150 Wohncontainer werden im Rahmen eines Nothilfeprogramms angesichts der sich verschlimmernden Krise im Nordirak finanziert.

Ein Zuhause auf Zeit

Im Werenfried-Dorf hat auch Familie Matti ihren Wohncontainer und so eine sichere und warme Unterkunft. Die Wohncontainer bieten Strom und fließendes Wasser, und es gibt extra Toilettenanlagen. Das Containerdorf ist so angelegt, dass die Familien im überdachten Freien auf Gasherden kochen können. Die Versorgung mit Lebensmitteln und sauberem Wasser ist sichergestellt.

Das Leben im Werenfried-Dorf mag zwar nicht der Himmel auf Erden sein, aber zumindest finden Familien, die vor dem Nichts stehen, hier ein Zuhause. Beim Abschied sagt Khalid Matti: „Bitte beten Sie für uns. Vielen Dank, dass Sie gekommen sind und sich Zeit für uns genommen haben.“ Das Dorf gibt Menschen wie dem kleinen Awas wieder Hoffnung.